auf Augenhöhe

Eine Freundschaft auf Augenhöhe. Warum denken wir, dass es wichtig ist, darüber nachzudenken? Für uns ist die einzig wahre Form der Freundschaft eine Freundschaft auf Augenhöhe. Sie ist die einzige, bei der sich zwei Menschen gleichwertig gegenüberstehen. Freundschaft auf Augenhöhe ist das Gegenstück zu Überlegenheit oder Abhängigkeit und damit einer Beziehung, die aus der Balance geraten ist. Wie soll man am selben Strang ziehen, wenn man nicht auf einer Ebene, sondern einer unten und einer oben steht?

 

Wir haben die Beobachtung gemacht, dass viele Menschen dazu tendieren, sich mit Leuten zu umgeben, denen sie sich überlegen fühlen. Es ist fast so, als ob sie eine Art Fanclub aufbauten, dem sie bereitwillig erklären, wie die Welt funktioniert – oder denen sie ständig aus der Patsche helfen müssen. Manchmal schwingen sogar herablassende Untertöne mit oder man sieht ein subtiles Augenverdrehen. Diese Form der Beziehung macht es dem vermeintlich Überlegenen leicht, die eigenen Werte oder das eigene Handeln nicht in Frage stellen zu müssen, weil ihm unablässig vermittelt wird, dass er ‚alles‘ besser kann. Vergleichbar mit der klassischen Lehrer-Schüler-Beziehung, die dem Lehrer wenig Raum für Inspiration bietet. Denn nur, wo das eigene Handeln in den Kontext gebracht und hinterfragt wird, kann Veränderung und Wachstum stattfinden. Wenn einer das Gefühl hat, dass er sich etwas mehr herausnehmen kann als der andere – mehr einfordern kann, weniger das Bedürfnis hat, Zeit mit dem anderen zu verbringen oder sich sogar erlauben kann, etwas herablassend zu sein – ist das meist ein Indikator für eine Lehrer-Schüler-Beziehung. Es ist, als ob einer aus der Vogelperspektive auf den anderen herunterschaut und es nur ihm überlassen ist, zu entscheiden, ob er hinunter kommt oder nicht. 

 

​Andere Menschen suchen nach jemandem, der sie „rettet“. Rettet vor dem Alleinsein oder vor dem allein Entscheiden. Jemanden, hinter dem sie sich verstecken können. Ein bisschen wie in einer Eltern-Kind- oder große-Schwester-kleine-Schwester-Beziehung. Einer gibt Verantwortung ab und bekommt dafür ‘Schutz’, der andere wägt sich in der Sicherheit der Verbindung, fühlt sich geliebt und trifft die Entscheidungen für beide. Weder für die eine, noch für die andere Seite scheint die Beziehung gesund. Insbesondere für den „Geretteten“ kann sich ein Gefühl der Abhängigkeit einstellen. Derjenige, der sich klein fühlt, bemüht sich unablässig und hat doch das Gefühl, niemals so geliebt zu werden, wie er es sich wünscht. Dadurch wird er unauthentisch, verliert sich selbst, seine Integrität und ist ständigem Stress ausgesetzt. Und genau deswegen wird er dann uninteressant für den anderen – er wird immer mehr zu einem Abbild des anderen nur – natürlich – nie so gut wie das Original. Das Gefühl, dass einem der andere irgendwie nicht gut tut, das Gefühl, dass man sich deutlich mehr mit dem anderen beschäftigt als dieser sich mit einem, ‘toxische Gefühle’ sind Indikatoren dafür, dass man eine solche Rolle eingenommen hat. Wie ein kleiner Frosch schaut man nach oben, hüpft unablässig, aber wird doch nicht gesehen – oder nur, wenn es der da oben möchte. 

 

Wir haben hier zwei extreme, aus der Balance gekommene Modelle von Freundschaften gezeichnet. Sicherlich sind die Übergänge fließend und wir glauben auch, dass es in jeder Freundschaft Phasen gibt, in denen einer dem anderen ein Mentor ist, kurzfristig Abhängigkeit herrscht oder einer dem anderen bedeutend mehr hilft. Augenhöhe bedeutet, dass die Beziehung langfristig ausgeglichen ist. Augenhöhe heißt, dass BEIDE ohne Fragen zu stellen mitten in der Nacht alles stehen und liegen lassen würden, wenn der andere einen braucht. In einer Beziehung auf Augenhöhe wechselt man sich damit ab, der ‘Starke’ und der ‘Schwache’ zu sein, man ergänzt sich und BEIDE sind der Meinung, dass sie zusammen noch besser sind als allein. Nicht wie Batman und Robin, sondern wie Bonnie und Clyde.